Der Integrationsbeirat Pankow zu Gast

12.11.2025

Für Zusammenhalt, gegen Spaltung!
Der Bezirksbeirat für Partizipation und Integration Pankow zu Gast

Die Gesobau übt im aktuellen Klageverfahren (Eilverfahren VG 24 L 372/25) immensen Druck aus. Gegenüber dem Bezirksamt Pankow besteht Gesobau-seitig die Erwartungshaltung, dass die Ausgleichsmaßnahmen am 12.11.2025 final abgenommen werden. Sie hat vor diesem Hintergrund aktuell nur noch zugesichert, bis zu diesem Zeitpunkt auf Fällungen zu verzichten. Die Lage im Grünen Kiez spitzt sich also wieder bedrohlich zu.

In dieser Situation wollen wir eine weite Perspektive erhalten und sind in einen Austausch mit dem Integrationsbeirat Pankow getreten.

Wir sind uns sehr bewusst, wie sensibel das Thema der Unterbringung von Geflüchteten ist und möchten deshalb versuchen, eine Brücke zwischen den Themen der klimafreundlichen und grünen Stadtentwicklung und der sozial verträglichen, integrierenden und menschenfreundlichen Stadtentwicklung zu bauen.

In Berlin leben bedeutet mehr, als nur ein Dach über dem Kopf zu haben. Ein wichtiger Aspekt ist ein Lebensumfeld, das Rückzugsmöglichkeiten bietet und damit gesundes und konfliktregulierendes Wohnen ermöglicht, aber auch Begegnungsorte, die ein Zusammentreffen und die Einbindung in die Gemeinschaft ermöglichen. Dennoch setzt die Senatsverwaltung ihren Kampf gegen soziale Orte, die Stadtnatur und damit die Stadtgesellschaft mit der Brechstange fort.

In Berlin werden gerade massive Einsparungen in den Bereichen Bildungssystem, soziale Infrastruktur und Kultur diskutiert. Gleichzeitig verschwendet die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gesobau AG hier Beträge in Millionenhöhe für die dritte Klage gegen das Bezirksamt Pankow, lügengespickte Stellungnahmen ihrer Anwaltskanzlei, für die schon mehr als zwei Jahre andauernde Absperrung und Bewachung der zwei grünen Innenhöfe und des Spielplatzes und die bedingungslose Durchsetzung ihres zerstörerischen Bauvorhabens.

Wäre dieses Geld nicht besser angelegt in einem baulichen Kompromiss, der sowohl Wohnraum schafft, als auch die dringend benötigte, klimaregulierende und Lebensraum bietende Stadtnatur sowie wichtige Begegnungs- und Erholungsorte erhält?

Wäre dieses Geld nicht besser angelegt in einem echten Beteiligungsprozess, der ergebnisoffen und friedensstiftend die Belange sowohl der Bestandsbewohner als auch der künftigen Bewohner aufnimmt und umsetzt?

Um hierzu einen Blick von der eigentlichen Bedarfsgruppe des Sonderbaurechts zu bekommen, haben wir den Bezirksbeirat für Partizipation und Integration Pankow eingeladen.

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Stellungnahme des Integrationsbeirats Pankow zur geplanten MUF an der Kavalierstraße / Grüner Kiez Pankow

Der Integrationsbeirat Pankow setzt sich für ein respektvolles, solidarisches und ökologisch verantwortliches Zusammenleben im Bezirk ein.
Wir stehen für Gemeinschaft statt Gegeneinander, für Dialog statt Spaltung.

Mit Sorge beobachten wir, dass in der öffentlichen Debatte um den geplanten Bau einer modularen Unterkunft für Geflüchtete (MUF) an der Kavalierstraße geflüchtete Menschen zunehmend instrumentalisiert werden.
Geflüchtete dürfen nicht als Argument oder Projektionsfläche für politische oder städtebauliche Konflikte dienen. Sie sind Teil unserer Gesellschaft – Menschen, die Schutz suchen und hier in Würde leben wollen.

Als Beirat, in dem Menschen mit eigener Migrations- und Fluchterfahrung vertreten sind, betonen wir: Integration gelingt nicht durch Konfrontation, sondern durch Begegnung, Beteiligung und gegenseitigen Respekt – auch und gerade in der Stadtplanung.

Wir begrüßen und unterstützen den von der Bürgerinitiative Grüner Kiez Pankow und dem Bezirk entwickelten Klima-B-Plan als zukunftsfähigen Kompromiss.
Dieser sieht eine maßvolle Nachverdichtung mit dem Erhalt wesentlicher Grünflächen, Spielräume und Biotope vor, bei der nur rund ca. 14 Bäume weichen müssten.
So kann bezahlbarer Wohnraum entstehen, ohne die ökologische und soziale Balance des Viertels zu zerstören.

Pankow braucht beides:
Natur- und Klimaschutz, der Lebensqualität erhält,
sozialen Zusammenhalt, der Integration stärkt.

Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass Pankow bereits heute zu den Bezirken gehört, in denen besonders viele geflüchtete Menschen leben,
während gleichzeitig zahlreiche soziale Projekte und Integrationsangebote von Kürzungen betroffen sind.

Eine solidarische Stadtentwicklung bedeutet daher auch, dass andere Bezirke stärker Verantwortung übernehmen und Unterkünfte für Geflüchtete bereitstellen – damit Integration überall gelingen kann und nicht auf wenige Schultern verteilt wird.
Wir rufen alle beteiligten Akteure – Senat, Gesobau, Bezirke und Zivilgesellschaft – dazu auf, im Sinne eines gerechten Miteinanders zu handeln.

Das Wohl der Menschen und der Schutz unserer Umwelt dürfen nicht gegeneinander ausgespielt, sondern gemeinsam gestaltet werden.

Integrationsbeirat Pankow / Berlin, den 10.11.2025

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„Als Bezirksbeirat für Integration und Partizipation verstehen wir uns als Brückenbauer in Pankow. Unser Auftrag ist es, uns für die Rechte von Menschen mit Fluchterfahrung und Migrationsgeschichte einzusetzen. Dabei wollen wir die Themen würdevolle Unterbringung und gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht instrumentalisieren lassen. Beides ist möglich – und genau dafür sind wir da.“

Mohammed El Ouahhabi, Rachel Nangally, Sprecherteam des Bezirksbeirats für Integration und Partizipation Pankow

„Wir haben in den letzten beiden Jahren, in denen die beiden Nachbarschaftshöfe für ca. 1,5 Mio. Euro öffentliche Gelder eingezäunt sind, insgesamt fünf Runde Tische und zwei Zukunftswerkstätten veranstaltet. Alle Beteiligten waren eingeladen, gemeinsam und für alle Seiten tragfähige und inspirierende Kompromisslösungen zu entwickeln. Die vom Bezirk aufgestellte und baurechtlich saubere Kompromissvariante – der sog. „Bebauungsplan Klima“ – bot uns hier eine gute Verhandlungsbasis. Weder die Gesobau AG noch die Senatsverwaltung haben hieran teilgenommen und damit ihr Desinteresse an einem partizipativen und integrativen Verfahren gezeigt. Wir sind sehr dankbar, dass der Integrationsbeirat Pankow, zum jetzigen entscheidenden Zeitpunkt seine Sicht transparent macht.“

Grit Bürgow, BI Grüner Kiez Pankow und Runder Tisch “Kiez macht Klima und integriert!“

„Das Zusammenführen aller Interessengruppen und eine gemeinsame Herangehensweise würde allen Beteiligten Vorteile bringen. Dass der SPD-Senator für Stadtentwicklung mit Betonkopf und Scheuklappen durch die Wand will und nicht kompromissfähig ist, ist weder zeitgemäß noch zukunftsfähig. Da die Artenschutzausgleichmaßnahmen derzeit noch nicht funktional sind, fordern wir weiter: Alle an einen Tisch zur Ausgestaltung des B-Plan-Kompromisses!“

Britta Krehl, BI Grüner Kiez Pankow

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